Christus spricht: Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Matthäus 11,28)

Wochenspruch

HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes

und dein Recht wie die große Tiefe.

HERR, du hilfst Menschen und Tieren.

Wie köstlich ist deine Güte, Gott,

dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,

und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

und in deinem Lichte sehen wir das Licht

Psalm 36

Lied: Stern auf den ich schaue

Viel zu lange stand er hier schon herum. Die Füße und der Rücken begangen langsam zu schmerzen. Die Haut brannte von der Sonne. Er hatte Durst. Noch einmal formte er mit seiner Hand einen Schirm über seinen Augen und spähte in die Ferne. Immer noch war niemand zu sehen.

„Kommt her zu mir!“, hatte er ihnen zu gerufen und dabei die Arme weit geöffnet. Er wollte sie zu sich einladen. In seiner Nähe sollten sie einen Ort finden, an dem sie alles, was ihnen Mühe und das Leben schwer machte, hinter sich lassen konnten. Doch niemand folgte seiner Einladung, niemand kam. Dabei hatte er so viele Klagen gehört: „Ich reibe mich vollkommen auf zwischen Homeschooling und Homeoffice. Ich habe überhaupt keine Zeit mehr für mich!“ „Ich fühle mich einsam und allein. Ich bin für nichts mehr zu gebrauchen - zu alt, zu kraftlos, zu krank.“ „Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht! Zu viele Termine, zu viel Arbeit, zu viele Verpflichtungen! Macht das alles überhaupt noch einen Sinn?“ „Wie soll es nur weitergehen? Seit sie weg ist, fehlt mir jeglicher Halt im Leben.“

Viele von diesen und ähnlichen Sätzen hatte er gehört, wenn sie kurz bei ihm vorbeischauten und sich ihm anvertrauten. Sie hätten eigentlich gar nichts sagen müssen. Er sah auch so, dass es ihnen nicht gut ging. Er spürte ihnen ihre Ratlosigkeit, ja manchmal auch Verzweiflung ab: So viele ihrer Wünsche und Träume hatten sich nicht erfüllt. Viel zu selten stellte sich für sie das Gefühl tiefster Zufriedenheit ein. Er hatte den Eindruck, dass sie immerzu auf der Suche waren. Auf der Suche nach einem Ort, an dem sie ganz mit sich im Reinen wären, einem Ort, an dem es keine Sorgen und Probleme, keine Fragen ohne Antwort gäbe, einem Ort, an dem einfach alles perfekt und vollkommen wäre.

„Kommt her zu mir!“, hatte er ihnen zu gerufen und dabei die Arme weit geöffnet. „Bei mir findet ihr genau diesen Ort. Hier könnt ihr alles ablegen, was euch belastet und sorgt. Ihr müsst nichts tun. Ihr könnt einfach nur sein.“ So gerne hätte er sie dauerhaft in seiner Nähe gehabt. Denn hier bei ihm war alles perfekt. Hier war alles im Einklang, es fehlte an nichts - jede und jeder konnte ganz bei sich, ganz beim anderen und eben ganz bei ihm sein. Wunderbar war es hier, ein Ort der Geborgenheit und des Friedens. Bei ihm konnten sie sich ausruhen und neue Kraft schöpfen, um leben zu können mitten in der Welt. Doch niemand war seiner Einladung gefolgt. Niemand war gekommen.

Warum? Darüber konnte er nur spekulieren: Vielleicht vertrauten sie ihm nicht genug. Vielleicht meinten sie, sie könnten ganz gut für sich selbst sorgen und bräuchten niemanden, der ihnen den Weg wies und eine neue Welt eröffnete. Mag sein, dass sie anderswo nach eben diesem Ort suchten. Er wusste es einfach nicht.

Und eigentlich war es ihm auch egal. Seine Einladung war ausgesprochen und sie galt. Denn er wollte mit seinen Menschen zusammen sein und mit ihnen zusammenleben - jetzt und in Ewigkeit. Ja, das wollte er unbedingt.

Noch einmal formte er mit seiner Hand einen Schirm über seinen Augen und spähte in die Ferne. Er war sich nicht ganz sicher, aber er glaubte, einen Menschen auf sich zukommen zu sehen.

 

Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. (Mt 11,25-30). Amen.