Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Lukas 19,10)

Wochenspruch

Lied: Gott, deine Liebe reicht weit

Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie. Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. Als er aber alles verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich einem deiner Tagelöhner gleich! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. (Lk 15,11-24)

„Der verlorene Sohn“ wohl eine der bekanntesten Bibelgeschichten. Eine Geschichte, die viele Fragen aufwirft. Warum etwa geht der Sohn mit seinem Erbteil in die Fremde? Hat er Pläne? Will er sich eine Zukunft aufbauen mit Frau, Haus, Kind und Hund? Will er einfach auf eigenen Beinen stehen, sein Glück versuchen ohne die väterliche Hilfe? Vielleicht sucht er seine Freiheit und Unabhängigkeit. Eine Antwort auf all diese Fragen gibt es nicht.

Schon bald merkt der Sohn, dass es mit der Freiheit und Unabhängigkeit gar nicht so einfach ist. Das viele, das er hat, ist verführerisch. Dafür kann man sich eine Menge kaufen, sich einen gewissen Luxus leisten. Bald kommt er zu Ansehen. Leicht gewinnt er Freunde. Denn er ist einer, der das, was er hat, gerne mit anderen teilt. Die anderen feiern mit ihm, helfen ihm dabei, das Geld mir nichts dir nichts zu verprassen. Warum ist da eigentlich niemand, der ihn zur Seite nimmt, ihn warnt und auf die Gefahren seines Lebensstils hinweist?

Schnell wendet sich das Blatt. Das Geld ist weg. Der Magen knurrt. Er hat nichts mehr, wovon er sich ein bisschen Brot kaufen könnte. Er landet bei den Schweinen. Aber selbst deren Futter darf er nicht anrühren. Sein Leben ist verpfuscht. Aus der Traum von Freiheit und Unabhängigkeit. Sein Weg hätte nach oben führen sollen. Nun ist er ganz unten angekommen. Da fasst er einen Entschluss. Er will umkehren, zurückkehren. Er will noch einmal von vorne anfangen – nicht als Sohn und Erbe, sondern als Angestellter seines Vaters, als einfacher Arbeiter, als einfacher Diener. Er hat keine Forderungen mehr, geschenkt will er auch nichts. Das was er braucht zum Leben, will er selbst verdienen. Als gebrochener Mann macht er sich auf den Weg. Doch was für ein Empfang wird ihm da geboten! Voller Freude schließt ihn der Vater in seine Arme. Ein Fest wird gefeiert. Der Sohn ist zurück! „Er war verloren und ist gefunden worden.“

Vater, warum bist du eigentlich so gütig? Warum erwartest du keine Erklärung, keinen Rechtfertigungsversuch von mir? Warum nimmst du mich in deine Arme? Willst du mir keine Strafpredigt halten? Willst du deiner Enttäuschung über mein Verhalten nicht Luft machen?

Vater, warum bist du eigentlich so gütig? Jugendliche haben diese Frage im Konfirmandenunterricht in der Rolle des vom Vater freudig empfangenen Sohnes gestellt. Warum bist du so gütig? Diese Frage, geht mir nach. Ja warum? „Ist doch ganz einfach,“ sagt eine, die sich sonst nie zu Wort meldet. „Er ist so gütig, weil er eben der Vater ist. In einer Familie vergibt man sich doch. Ist doch klar.“ Klar, Blut ist dicker als Wasser, denke ich. Und das, was sie da so selbstverständlich sagt, trifft es wohl auch sehr genau: Ein Vater vergibt. Mehr muss man dazu nicht sagen.

Schön, dass Jugendliche so etwas heute in ihren Familien erfahren. Schön, dass ihnen Vergebung ganz selbstverständlich vorgelebt wird. Das macht stark für’s Leben.

Und schön, dass wir so von unserem Gott reden können: Er ist unser Vater. Und ein Vater vergibt. Mehr muss man dazu nicht sagen. Das macht stark für’s Leben. Wir können mutig sein, uns ausprobieren und unsere Erfahrungen machen. Wir können Fehler erkennen und zugeben. Wir müssen nichts verschweigen. Wir kehren um, kehren zurück zu dem, der unser Vater ist und uns mit offenen Armen empfängt – einfach so. Einfach, weil er so unfassbar gütig ist und uns liebt. Amen.