„Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43,1)

Wochenspruch

Manchmal ist das so. Du gehörst nicht dazu. Du fühlst sich wertlos, bedeutungslos. Du hast den Eindruck, eine Last zu sein, die alles aufhält. Ich erinnere mich gut an dieses Gefühl. In der Sportstunde. Wenn die Volleyballmannschaften gewählt wurden. Wie oft stand ich da, als eine von den Letzten, als eine, die keiner wollte, die keiner brauchen konnte, weil sie die Technik nicht richtig beherrschte, zu klein und zu langsam war.

Ich denke an all die Menschen, die dieses Gefühl allzu gut kennen: Kinder und Jugendliche, die vielleicht hervorragend im Sportunterricht sind, aber nicht so hervorragend in Mathe und Deutsch. „Mit deinen Leistungen wird das nichts mit deinem Traumberuf, einem guten Auskommen und einem sorgenfreien Leben,“ wird ihnen wieder und wieder gesagt. Menschen mit anderer Hautfarbe und gebrochenem Deutsch hören: „Du gehörst nicht zu uns. Wir wollen dich hier nicht haben. Du kostest uns nur Geld.“ Die Alten und Kranken spüren: „Deine Pflege ist uns zu aufwändig, du wirst uns zur Last. Du bist ja für nichts mehr zu gebrauchen.“ Oft werden diese Sätze nicht laut ausgesprochen, manchmal zum Glück noch nicht einmal gedacht. Aber diese Sätze haben wir verinnerlicht in einer Gesellschaft, in der es um Leistung und gesteigerte Produktivität geht, in einem Land, in dem immer mehr Menschen zwischen „wir“ und „die“ unterscheiden.

Denn du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –,

sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der Herr euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.

Ich habe dich gewählt, als erstes, vor allen anderen. Für mich bist du besonders wertvoll, du bist mir heilig. All meine Fürsorge, meine Unterstützung und meine Hilfe gilt dir. Ich habe dich gewählt – nicht weil du so besonders begabt und talentiert bist, nicht weil du besser als alle anderen bist. Ich habe dich gewählt, weil ich dich liebe. So spricht Gott. Bei ihm muss niemand fürchten, aussortiert zu werden. Bei ihm gibt es keinen Rest, der übrig bleibt, weil er wertlos und unbedeutend ist. Diese Worte soll jedes Kind und jeder Jugendlicher, jeder Mensch mit anderer Hautfarbe und gebrochenem Deutsch, jeder Alte und Kranke hören. Ja diese Worte soll jeder Mensch hören: Du bist ausgewählt, weil Gott dich liebt.

Dieser Zuspruch ist zugleich mit einem Auftrag verbunden. Wir sollen die hier erfahrene Liebe weitergeben: So sollst du nun wissen, dass der Herr, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. (5. Buch Mose 7,6-12)

Die von Gott Ausgewählten sind nicht hochnäsig oder abschätzig anderen gegenüber. Sie folgen nicht den Maßstäben der immer noch zu steigernden Leistung. Sie setzen sich vielmehr ein für Recht und Gerechtigkeit. Sie stehen auf, wenn anderen gesagt wird: „Du bist wertlos und bedeutungslos. Du bist eine Last, wir können dich nicht brauchen.“ So wird unsere Welt zu einem Ort, an dem niemand aussortiert wird oder übrig bleibt, weil er zu schlecht, zu schwach oder nutzlos ist. Und das, ja das, fühlt sich gut an! Amen.