„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ (Psalm 66,20)

Wochenspruch

uns der gemeinsame Gemeindegesang „verboten“ ist. Ich kann verstehen, dass das aus Gründen des Infektionsschutzes notwendig ist, aber komisch ist die Vorstellung vom Gottesdienst ohne Gesang dennoch. Zum Glück haben wir Almut Hepper, die uns die Choräle singen wird. Dann können wir innerlich einstimmen, ohne den Mund zu öffnen, mitsingen.

Im Predigttext für diesen Sonntag, der im 2. Buch der Chronik steht, geht es – natürlich – auch um den Gesang. Das Volk Israel ist nach jahrzehntelanger Wüstenwanderung im gelobten Land angekommen. Hier werden die Israeliten sesshaft, heimisch und dazu gehört es natürlich auch, für ihren Gott einen Tempel zu bauen. Gott, der sein Volk in und mit der Bundeslade begleitet, geführt und beschützt hat, bekommt so einen Ort mitten unter seinen Menschen. Bei der Einweihung dieses Tempels geht es selbstverständlich außerordentlich festlich zu. Hunderte von Priestern beginnen zu singen, die Harfe zu zupfen, die Trompete zu blasen oder die Zimbel anzuschlagen. Und es klingt wie aus einem Munde, wie aus einem Instrument – so schön und so harmonisch. Während gesungen wird, geschieht etwas Gewaltiges: „Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den Herrn lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des Herrn, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes.“ (2. Chr 5,13-14) Gott erscheint unter dem Gesang und der Musik der Menschen. Während sie besingen, was Gott ihnen bedeutet, wird Gott gegenwärtig, ist er ganz real mitten unter ihnen.

Auch wenn ich weiß, dass mit dieser Geschichte die besondere Qualität des Tempels in Jerusalem als Wohnstätte Gottes herausgestellt werden soll, der Gedanke, dass Gott im Gesang gegenwärtig wird, dass er im Gesang geradezu greifbar wird, gefällt mir. Den Gedanken nehme ich mit. Er begleitet mich, wenn ich im Gottesdienst einen Choral höre, wenn ich wieder mit der ganzen Gemeinde singen werde und wenn ich zu Hause oder unterwegs ein Lied auf meinen Lippen habe. Dann, ja dann ist Gott da. Amen.

Gott, wenn ich bete, dann spüre ich: Es gibt eine Kraft, die größer ist als ich.

Wenn ich bete, lasse ich davon los, dass alles, was geschieht, in meinen Händen liegt.

Wenn ich bete, kommt aus mir heraus, was ich bisher verschwiegen habe.

All mein Sehnen und Suchen. Meine Fragen und Umwege. Ich lege sie in deine Hände.

Und dann warte ich mit wachen Sinnen, bis es geschieht, dass ein warmer Strom oder eine klare Stimme mein Herz erreicht.

(Christine Behler)

 

 

Bleiben Sie behütet

Ihre Pfarrerin Stefanie Wöhrle

Gebet