Kirche to go - 21. März 2020

Darum tröstet euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut. (1 Thessalonicher 5,11)

 

Beim Betreten des Drogeriemarktes stutze ich zunächst. Von Hamsterkäufen habe ich schon gehört, leere Regale im Supermarkt selbst gesehen. Aber hier hat sich die Lage besonders zugespitzt. Nicht nur die Regale mit Toilettenpapier und Seife sind vollkommen leergefegt. Auch Zahnpasta, Putz- und Waschmittel, Brotaufstrich und Cornflakes sind hier nicht mehr zu bekommen. Mir wird es eng ums Herz. Überall hängen Hinweise, dass man nicht mehr als drei Exemplare des gleichen Produkts in seinen Einkaufswagen legen darf. Und an der Kasse wird dann prompt auch eine Frau zurückgeschickt, die vier Packungen Duschbad auf’s Band gelegt hat. Auf dem Boden vor der Kasse sind Abstandsmarkierungen geklebt. Jede Kundin, jeder Kunde hat sein eigenes Territorium. Man darf sich nicht zu nahe kommen. Abstand ist geboten.

Bislang war ich noch ganz entspannt, was eine Infektion mit dem Corona-Virus angeht. Ich bin noch einigermaßen jung, habe keine Vorerkrankungen und auch in meiner Familie sind alle gesund. Doch heute verlasse ich den Laden irgendwie bedrückt. Dieses Erlebnis im Drogeriemarkt macht mir Angst.

Ein kleiner Virus bringt unser gesamtes Leben zum Erliegen. Die Infektionszahlen steigen. Wir sind trotz aller Vorsichtsmaßnahmen hilflos, ja ohnmächtig, können nicht sicher sagen, dass die getroffenen Maßnahmen etwas bringen, sie die Verbreitung der Krankheit eindämmen. Und niemand weiß, wie lange der jetzige Zustand anhält, wie lange wir auf soziale Kontakte verzichten sollen und nur für das wirklich Nötigste das Haus verlassen dürfen.

Wir gehen in die Supermärkte und Drogerien und kaufen, was wir können. Denn wer weiß schon, wie sich die Lage weiter entwickeln wird, was sein wird in ein paar Tagen oder gar Wochen. Und das Toilettenpapier in meinem Vorrat, das kann mir keiner mehr nehmen. Wir haben Angst, vielleicht nicht direkt um unser Leben, aber vor der Ungewissheit. Und aus dieser Angst plündern wir die Supermarktregale, werden wir unruhig, wenn sich uns ein anderer nähert und den Sicherheitsabstand nicht beachtet. Diese Angst schützt uns, kann uns vor einer Infektion bewahren, sorgt dafür, dass wir gerade jetzt alles haben, was wir zum Leben haben.

„Darum tröstet euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut.“ Dieser Satz aus der Bibel ruft uns dazu auf, uns von unserer Angst, auch jetzt von der Corona-Angst, die viele von uns umtreibt, nicht überwältigen zu lassen. Niemandem ist geholfen, wenn wir panisch werden, jeder nur nach an sich selbst denkt. Wir müssen füreinander da sein, uns gegenseitig trösten, indem wir aneinander denken, uns anrufen, eine WhatsApp oder E-Mail schreiben. Wir müssen füreinander da sein, uns gegenseitig trösten, indem wir uns darum sorgen, ob unsere 80jährige Nachbarin noch mit Lebensmitteln versorgt ist und – wenn es nötig ist – für sie einkaufen gehen.

Viele von uns in Hagelloch tun das. Ich weiß von unzähligen Telefonaten, die geführt werden, habe von konkreter nachbarschaftlicher Hilfe gehört und kenne das Angebot des Nachbarschaftshilfe-Vereins. Dieses Miteinander und Füreinander, dieser konkrete Trost, den wir uns gegenseitig spenden, macht mir Mut, schenkt mir Hoffnung und Kraft in diesen beängstigenden Zeiten. Und ich vertraue darauf, dass dieser gelebte Trost uns dabei hilft, diese erschreckende Situation auch weiter zu ertragen.

In diesem Sinne, seien Sie getrost und bleiben Sie behütet

Ihre und Eure Pfarrerin Stefanie Wöhrle

 

Gebet

Gott, zu dir wenden wir uns in unserer Not. Wir vertrauen dir. Du siehst unsere Angst und Sorge. Tröste uns. Schenke uns Mut und Hoffnung, damit wir anderen zum Trost, zum Mut und zur Hoffnung werden können. Amen.