Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich euch alle zu mir ziehen. (Johannes 12,32)

Wochenspruch

Andreas hat sich nicht mehr bewegt, seitdem sie hier angekommen sind. Den Kopf tief in die Hände vergraben ist Thomas der Verzweiflung nahe. Petrus, dem sonst immer etwas Hilfreiches einfällt, starrt stumm ins Leere. Keiner von ihnen kann so recht fassen, was gerade draußen auf dem Ölberg geschehen war. Vor ihren Augen war Jesus in den Himmel hinauf gefahren, vor ihren Augen einfach verschwunden. Dieser Abschied ist endgültig, das spüren sie. Keiner von ihnen weiß, wie es jetzt weitergeht oder was sie tun sollen. Es bleiben nur Fragen: Was wird aus ihnen werden? Was wird aus der Hoffnung, die Jesus in ihnen geweckt hat? Ist das neue Leben, das mit ihm begonnen hatte, nun endgültig vorbei?

Die Jünger befinden sich im Übergang. Ihre Geschichte mit dem irdischen Jesus ist zu Ende und sie wissen nicht, was kommt. Übergänge sind oft nur schwer auszuhalten: Ihre Behandlung zieht sich schon ewig hin, doch die Schmerzen sind immer noch da, von Heilung ist wenig zu spüren. Das neue Büro ist eingerichtet, die Kollegen sind nett, der Chef auch. Die Aufgaben sind klar. Doch es wird noch ein bisschen dauern, bis sie sich in der neuen Firma ganz zu Hause fühlt. Er hat alles geordnet, es ist alles gesagt. Seine Kräfte werden von Tag zu Tag weniger. Er wartet, wartet darauf, dass er sterben darf. Die Corona-Auflagen werden jeden Tag ein wenig gelockert. Ich kann wieder shoppen, im Biergarten sitzen, vielleicht sogar in den Urlaub fahren. Doch vom „normalen Leben“ sind wir noch weit entfernt.

Da meldet sich Philippus zu Wort: „Hat Jesus uns nicht auf seinen Abschied vorbereitet?“, fragt er seine Freunde mit leiser, fast flüsternder Stimme. „Hat er nicht gesagt, dass er uns den Tröster schicken wird, den Heiligen Geist? Durch ihn wird Jesu Botschaft unter uns lebendig bleiben, ja durch ihn, wird Jesus selbst unter uns sein!“ Er hat sich aufgerichtet, seine Augen leuchten. Satz für Satz ist seine Stimme lauter und klarer geworden, so als wäre der Mut und die Lebenskraft Satz für Satz in ihn zurückgekehrt. Die anderen heben die Köpfe. Erst sehen sie ihn fragend an, dann beginnen sie zu lächeln. Philippus hat Recht. Langsam erinnern sie sich an die Worte Jesu. Ihre Hoffnung ist neu entfacht. Das neue Leben ist nicht zu Ende, es geht weiter auch ohne Jesus direkt an ihrer Seite. Im Tröster, im Heiligen Geist wird er bei ihnen sein.

Petrus steht auf und ergreift nach langem Schweigen das Wort. Er lädt die anderen ein zum Gebet. Amen.

(nach Apostelgeschichte 1,12-14 und Johannes 16,5-15)