Ein Psalm von Hans Dieter Hüsch

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

Was macht, dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich.
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.

Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen.

Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.

Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsal hält,

weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.

Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.

Andacht

Spürst du das? Siehst du das? Fühlst du das?

Es stürmt, es tost und regnet Feuer vom Himmel. Unvorstellbare Naturgewalten wirken. Ungeheure Kraft bahnt sich ihren Weg. Gott sendet seinen Geist. Wir feiern Pfingsten. Kein anderes Fest ist so lebendig, so wild, so beängstigend und so verstörend. Kein anderes Fest ist zugleich so ermutigend. Denn der Geist kommt nicht nur mit Kraft, er setzt auch Kräfte frei. Die Jünger werden von ihm erfasst. Die, die anfangs traurig in ihrem Haus in Jerusalem saßen, stehen auf, erheben ihr Köpfe und gehen mit geradem Rücken vor die Tür. Sie verstecken sich nicht länger, sondern sie tun ihren Mund auf. Sie erzählen von Jesus, von seinen Zeichen und Wundern, von seinem Tod und von seiner Auferstehung. Sie erzählen, wie er ihr Leben durcheinander gebracht, er ihnen Hoffnung und neuen Mut geschenkt hat. Sie erzählen von ihrem Glauben an ihn, der ihr Leben verändert.

Hörst du das? Die Worte, die auch dein Leben neu machen?

Traurige werden fröhlich, Verlassene fühlen sich nicht mehr allein, Verzagte bekommen neue Hoffnung, Aufgeschreckte spüren einen tiefen Trost, Schwache werden stark, Ängstliche mutig, Schwarzseher entdecken die bunten Farben der Welt, Kranke bekommen neue Lebenskraft, den Schweigsamen fallen mitreißende Worte aus dem Mund. Das alles macht der Geist.

Heute feiern wir Pfingsten. Gottes Geist kommt. Und er kommt gerade recht. Er kommt in unsere Welt, die so voller Sorge und Angst, so voller Fragen ist. Wie geht es weiter? Was bringt die Zukunft? Er kommt auch zu mir in mein Angst- und Sorgenhaus. Ich sitze da, kann mich nicht bewegen, weiß nicht, was kommt und was wird. Er kommt, reißt die Fenster auf und sagt: „Komm mit! Ich blase das Dunkel hinweg und entzünde ein Feuer. So wird es hell und warm inmitten aller Sorge und Angst. Ich bin bei dir, gebe dir Kraft und Mut. Denn ich bin der Lebensatem, von Gott geschenkt. Ich bin die Liebe, von Gott ausgegossen, mitten in dein Herz.“

Spürst du das? Siehst du das? Fühlst du das? Hörst du das?

Rechne mit nichts Geringerem als mit Gottes Geist in unserer Welt. Rechne mit nichts Geringerem als mit Gottes Geis mitten in deinem Leben. Vertrau ihm. Der Himmel steht offen. Sieh‘ über die Sorge und die Angst hinaus, auch wenn das verrückt zu sein scheint. Steh‘ da, stark, mutig. Lebe! Amen.