Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Matthäus 5,7

Spruch des Tages

Das Lied mit den Zeichnungen des „Sonntagsmalers“ ist zu finden unter: https://www.youtube.com/watch?v=vHEQ0c6FfBU&feature=emb_title

Ich erinnere mich noch sehr genau an unzählige Morgen des Nikolaustages in meiner Kindheit. Ich konnte gar nicht schnell genug zur Fensterbank laufen, auf der mein frisch geputzter Stiefel auf den nächtlichen Besuch des Nikolauses gewartet hatte. Meistens war nicht nur der Stiefel mit allerlei Leckereien und kleinen Geschenken gefüllt. Auch drum herum lagen viele gute Sachen, die der Nikolaus für mich gebracht hatte. Lange Zeit glaubte ich an diesen geheimnisvollen Gast in der Nacht und freute mich Jahr für Jahr über das Wunder des Nikolaustages.

Erst viele Jahre später habe ich mich mit den Geschichten rund um diesen berühmten Bischof aus dem 3/4. Jahrhundert befasst: Da ist die eine, von den drei Töchtern eines verarmten Kaufmanns. Sie haben so wenig Besitz und Geld, dass ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt und damit für ein weiteres, glückliches Leben „gleich Null“ sind. Nikolaus erfährt von ihrem Kummer, schleicht sich nachts zu ihrem Haus und wirft ihnen drei Säckchen mit Gold durch das Fenster. Mit diesem Wohlstand werden sie zu einer guten Partie und finden einen Mann für’s Leben, mit dem sie glücklich werden können. Und da gibt es noch die Geschichte, von der das hier abgedruckte Lied erzählt: Als in Myra eine Hungersnot herrscht, setzt sich Nikolaus für die hungernde Bevölkerung ein. Von einem kaiserlichen Handelsschiff erhält er so viel Getreide, dass Brot für alle gebacken werden kann. Als die Seeleute das Korn beim Kaiser abliefern, fehlt kein Gramm. Gott hat ein Wunder gewirkt.

Ja, Gott ist auf der Seite derer, die sich für andere einsetzen. Er füllt ihre Hände, damit sie anderen Menschen das geben können, was sie gerade dringend brauchen. Das höre ich aus den Legenden, die sich rund um Bischof Nikolaus von Myra spinnen, heraus. Das bleibt bis heute vom Nikolaus, der sich jedes Jahr am 6. Dezember auf den Weg zu uns Menschen macht, um die Stiefel mit Kleinigkeiten zu füllen, die Klein und Groß erfreuen.

In diesen Tagen, die so ganz anders sind als die Tage vorweihnachtlicher Freude in anderen Jahren, nehme ich wahr, dass es viele Menschen gibt, die ganz im Sinne von Nikolaus unterwegs sind: Da werden Einkäufe und Besorgungen für Menschen gemacht, die aufgrund des Virus lieber in ihren eigenen vier Wänden bleiben. Menschen gehen nach wie vor ihren Berufen in der Kranken- und Altenpflege mit viel Engagement und Elan nach, um in den Krankenhäusern und Pflegeheimen Wärme und Liebe zu verbreiten. Kleine Geschenke und Aufmerksamkeiten werden vor Türen abgestellt, um den Nachbarn oder den Freunden eine kleine Freude zu bereiten. Menschen spenden wie jedes Jahr in der Weihnachtszeit für soziale Projekte, ohne dass man merken könnte, dass viele um ihre eigene Existenz bangen müssen.

Die Legenden um den Bischof Nikolaus von Myra sind zwar alt. Doch immer noch erzählen wir sie weiter und immer noch gibt es Menschen, die sich von diesem Mann – bewusst oder auch unbewusst – inspirieren lassen. Seht und staunt!